Ist Folk eigentlich out oder so?

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Tarom
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Ist Folk eigentlich out oder so?

Beitragvon Tarom » So Jul 04, 2010 8:50 pm

Hi,

ich stelle mir gerade die Frage im Thread Titel, weil es seltsamerweise unwahrscheinlich schwer ist, Mitmusiker zu finden, die Lust auf (Irish) Folk/ITM haben.
Ich suche zwar gezielt nach Akustikspielern und eher zum Jammen und Üben anstatt Band, aber trotzdem: Entweder finden sich nur Leute mit Bandambitionen aus anderen Musikrichtungen oder Leute, die zwar gern mal ein bisschen Musik machen wollen, die dann aber andere Genres bespielen wollen. Gerade unter den Akustikern scheint Blues, 60s, Schlager sehr in zu sein. Nicht, dass ich was gegen Blues hätte (ich liebe meine Blues Harp!), aber das bringt mich in meinen Überlegungen kein Stück weiter ;)
Insgesamt ist Folk aber auch recht unbeachtet, wenn man sich so umschaut, vielleicht liegt es daran?

Also:
- Ist Folk abgesehen von Kneipengigs überhaupt von Belang?
- Wo finde ich meine Mitmusiker für ITM?

Gruß
Tarom :D

mini.fuchs
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Beitragvon mini.fuchs » Mo Jul 05, 2010 8:15 am

Hmm... ich glaube, es kommt auch ein bisschen auf die Gegend an, in der du suchst.
Hier bei uns gibt es gleich mehrere Gruppen, die sich zur Session treffen. Ich weiß von mindestens zweien, würde mich aber wundern, wenn das alle wären.

Schau dich doch mal im Irish Pub um? Vielleicht findest du dort Gleichgesinnte.

Ob Folk "out" ist, weiß ich nicht. Ich denke einfach, es findet zur Zeit nicht so viel Anklang wie manch anderes Genre - damit werden nicht so viele Leute darauf aufmerksam und es fangen weniger an, zu spielen. :roll:
Schade eigentlich!

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Tarom
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Beitragvon Tarom » Mo Jul 05, 2010 9:58 am

mini.fuchs hat geschrieben:Hmm... ich glaube, es kommt auch ein bisschen auf die Gegend an, in der du suchst.
Hier bei uns gibt es gleich mehrere Gruppen, die sich zur Session treffen. Ich weiß von mindestens zweien, würde mich aber wundern, wenn das alle wären.

Schau dich doch mal im Irish Pub um? Vielleicht findest du dort Gleichgesinnte.

Ob Folk "out" ist, weiß ich nicht. Ich denke einfach, es findet zur Zeit nicht so viel Anklang wie manch anderes Genre - damit werden nicht so viele Leute darauf aufmerksam und es fangen weniger an, zu spielen. :roll:
Schade eigentlich!


Da sagste was ;)
Das Ruhrgebiet scheint jedenfalls nicht die deutsche Hochburg des Folk zu sein. Eine Session in der Stadt hat letztes Jahr dicht gemacht (bzw.der Pub), eine andere ist gerade dabei, sich zu etablieren, soweit ich weiß. Aber: Session ist nochmal ein ganzes Level über dem, was ich kann, von daher lassen wir das lieber mal für den Moment sein.
Aber letztlich trifft das ja dann meine Aussage: Folk außerhalb der Pubs, speziell keltische Sachen? Ok, letztlich war Folk wohl noch nie "massentauglich" und ich könnte mir vorstellen, dass Musiker und Rezipienten verdammt oft die gleichen Personen sind, was den potentiellen Hörerkreis verkleinert. Das macht es eben nur schwer, Mitspieler unter dem "Session Level" zu finden. Und sowas wie slow Sessions gibts hier soweit ich weiß auch nicht.

Gruß
Tarom

susa
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Beitragvon susa » Mo Jul 05, 2010 10:13 am

Nun, das selbstständige Musizieren im Allgemeinen scheint bei der Mehrheit der Bevölkerung out zu sein.

Deutscher Folk ist nochmehr out. Der Irische wurde interessant, weil er medienmäßig eine Weile lang nur so rumgeschmissen und recht gut kommerzialisiert wurde.

Die Leute konsumieren Musik nur noch passiv. Das ist schade.
Als Grundschullehrerin ist eine meiner ersten Fragen in einem Elternabend:

Wer von Ihnen spielt ein Instrument oder singt in einem Chor?

Meist ist die Rückmeldung "null" oder "ein bis zwei von zwanzig".

Bei den Kindern dieser Eltern habe ich im Musikunterricht erreicht, dass kleine Stücke auf verschiedenen Stabspielen vom Ohr und von den Noten her erschlossen wurden. Eine Kulturtechnik, die heutige Erwachsene eben nur selten beherrschen, die aber eben schon Kinder lernen können!

Man kann nur hoffen, dass das bald besser wird.
Die Whistle als leicht zugängliches Instrument sollte ein Schritt auf diesem Weg sein.

mini.fuchs
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Beitragvon mini.fuchs » Mo Jul 05, 2010 1:30 pm

Ähhhhmm.... waaaarum ist Session nichts für dich?
Ich glaub, du schätzt dich zu schlecht ein!

Ich bin nach zwei Monaten Whistle spielen von meiner Lehrerin zur Session "eingeladen" (genötigt!?) worden - was ich da konnte war..... sagen wir "ausbaufähig" ;)
Keiner hat was gesagt! Im Gegenteil, man hat sich gefreut, jemand neues dabei zu haben und es wurde bzw. wird immer Rücksicht genommen!
Bei dem, was ich mir da immer mal wieder auf YouTube von der ansehe/höre dürfte das doch eigentlich kein Problem sein! Es geht ja nicht darum, alles in Perfektion zu spielen. Es geht um den Spass an der Sache! Und wenn ein Stück total daneben geht, dann ist das eben so! Das nächste wird besser ;)

Ich denke, du solltest es mal versuchen. Und wenn du schon weißt, dass sich eine Session-Gruppe etabliert - hin da!

Grundsätzlich hat Susa glaub ich Recht! Musik wird nur noch gehört... selbst machen wird nicht allzu gern gesehen. "Achso, du machst Musik? Hmm... und sonst?" "Musik machen" wird nur dann "allgemein" anerkannt, wenn du als Band auf der Bühne stehst und die Leute feiern können. Dass vorher aber ein langer Weg ist, wird nur ungern gesehen.
Ich hab in meiner "Musikschule" jetzt festgestellt, dass wirklich viele "kleine" Kinder hingeschickt werden - da ist Musik machen toll, zu Weihnachten unter'm Baum! Ältere Schüler habe ich bis jetzt nur selten gesehen.
Andererseits habe ich jetzt festgestellt, dass, wenn du einmal im "Kreis der Musiker" drin bist, du immer wieder neue Leute kennenlernst und mal mit ihnen zusammen spielst! DAS ist das, was mir im Moment am meisten Spass macht!

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Tarom
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Beitragvon Tarom » Di Jul 06, 2010 9:48 am

Grundsätzlich scheint das mit dem Musik selber machen nicht so daneben zu sein. Ich kenne zwar "relativ" viele Leute, die Musik machen und auch ein paar, die theoretisch ein Instrument haben und irgendwann mal spielen wollten, aber nie über Gitarre-3 Akkorde hinaus gekommen sind. Die stehen aber nicht im Verhältnis zu den anderen, die mit Musik abseits vom Radio nix anfangen können. Eigentlich schade drum. Dafür kann ich mich nie entscheiden, welches Instrument ich noch als nächstes lernen möchte :D Das Saxophon wurde so oder so nur aus Kostengründen ein paar Jahre nach hinten verlagert.
Die Sache mit dem deutschen und dem irischen Folk:
Deutsche Volksmusik scheint einfach niemanden mehr zu interessieren, weil da einfach der Bezug zur Lebenswelt nicht mehr da ist. Wer will schon Das Wandern ist des Müllers Lust spielen, niemand kennt einen Müller oder gar die Wanderjahre für Gesellen. Irischer Krempel mag da eine leicht romantisierte Vorstellung von Irland bedienen ;) aber so oder so ist ja angeblich die Folkszene drüben weit ausgeprägter als bei uns.
Und noch ein Gedanke zum Thema Musizieren als Zeitvertreib: Wer von euch spielt abends mal mit der Familie irgendwelche Lieder durch? An Feiertagen? Einfach so? Bei uns ist das sehr eingeschlafen, ich bin mittlerweile ausgezogen, meine Familie hat irgendwie gerade nichts mehr mit Musik am Hut in letzter Zeit (Arbeit, Abi, andere Hobbies), aber eigentlich führte jede Familienfeier früher oder später zur Gitarre usw.
"Hausmusik" ist eigentlich was cooles. Ok, irgendwie wurde auch nie der Müller gespielt ;)

Gruß
Tarom

andrea-martin
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Beitragvon andrea-martin » Fr Jul 16, 2010 10:11 am

Hallo,

Irish Folk ist nicht jedermanns Sache. Da muss man manchmal lange nach Gleichgesinnten suchen. Der Vorschlag, im Irish Pub zu suchen, stände auch bei mir an erster Stelle. Wenn man auf dem Lande wohnt, hat man vielleicht einen in der nächst größeren Stadt.

Mein 2. Vorschlag wäre: Schaut euch doch mal die Veranstaltungen in euerer näheren Umgebung an. Sicher ist da auch mal ein - wenn auch ein kleiner - Irish Folk-Abend dabei.

Weiterhin viel Spaß,
Andrea

Saphir
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Beitragvon Saphir » So Jul 18, 2010 4:18 pm

Hallo in die Runde,

da kommt ja grad das passende Thema für mich. :D Ich hab grad erst (wieder) angefangen mit Tin Whistle spielen, und gut, im Augenblick möchte ich nicht wirklich mit jemandem anders spielen - der täte mir nur total leid, sich das Gequietsche anhören zu müssen. :lol:
Aber irgendwann wärs für mich schon auch interessant, ewig alleine spielen ist doof. Was ich noch vorschlagen würde, wären Larps oder Mittelaltermärkte. Zumindest hab ich am WE zusammen mit ner Freundin gespielt, die in einer Mittelalterband mitspielt, und was ich bei der an irischen Sachen gefunden habe. :shock: Leider hat sie nur mal bisschen auf einer meiner Whistles rumgedudelt (und zwar deutlich besser als ich :oops: ) und spielt ansonsten aber lieber Sopranino, aber ich bekomm sie schon noch dazu. :twisted:
Und auch sonst hab ich den Eindruck, dass doch viele aus der Rollenspielszene irish folk mögen.

War übrigens auch in Dortmund. :) Also falls du noch was finden solltest, würde es mich auch freuen, da mal vorbeizuschauen. Allerdings bin ich halt wie gesagt noch blutiger Anfänger. :cry:

Syra
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Beitragvon Syra » So Jul 18, 2010 5:15 pm

auch wenn ich noch anfänger bin, so hat sich gestern ein kumpel von mir erbarmt (der eigentlich mehr blues und metal hört) hat seine klampfe mit zu mir gebracht und wir haben den ganzen nachmittag zusammen gespielt... also na gut vielleicht auch erstmal mehr probiert als gespielt aber es war schon ziemlich toll, am ende wirklich mal eine strophe molly malone mit whistle, gitarre und gesang komplett richtig auf die reihe bekommen zu haben... also auch die "hausmusik" ist noch nicht völlig tot - fragt meine nachbarn :D

was den folk angeht: sicherlich steht er beliebtheitsmäßig nicht ganz oben auf der liste, aber gerade was die mittelalter-, larp- und auch die metalszene angeht, ist er definitiv nicht out...

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Loki
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Beitragvon Loki » So Jul 18, 2010 9:43 pm

Das Problem mit Folk ist das gleiche, was alle anderen Musikrichtungen auch haben: Die Sachen sind entweder zu unbekannt, um sie mitzuspielen / mitzusingen, oder aber zu ausgelutscht, als daß man sie noch hören oder spielen will. Kommt mir teilweise zumindest so vor.

Die meisten Anfänger stürzen sich auf die gleichen Tunes, was ansich auch net falsch ist, aber es gibt halt zu wenige, die den Mut haben, auch mal einen Tune anzustimmen, den man nicht jeden Tag hört.

Aoife
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Beitragvon Aoife » Sa Feb 11, 2012 10:15 pm

Tarom hat geschrieben:Deutsche Volksmusik scheint einfach niemanden mehr zu interessieren, weil da einfach der Bezug zur Lebenswelt nicht mehr da ist. Wer will schon Das Wandern ist des Müllers Lust spielen, niemand kennt einen Müller oder gar die Wanderjahre für Gesellen. Irischer Krempel mag da eine leicht romantisierte Vorstellung von Irland bedienen ;) aber so oder so ist ja angeblich die Folkszene drüben weit ausgeprägter als bei uns.


Ja stimmt wohl schon, hängt aber auch wohl damit zusammen, dass man "folk" dort nicht so ideologisch sieht wie zumindest meinem Eindruck nach in Deutschland.

Ich selbst bin ja auch mehr in punk und rebel unterwegs, was mich jedoch nicht daran hindert auch einge traditional tunes zu lieben und zu spielen.

Und umgekehrt rümpft auch keiner die Nase über eine tinwhistle in einer rock band - man stelle sich das einmal in Deutschland vor, Blockflöte mit Rockern auf der Bühne :wink:

Wenn du also einen Musiker aus diesen anderen Stilrichtungen kennst, dann schaut euch doch einfach mal gemeinsam ein paar youtubes von den Pogues, Flogging Molly oder den Dropkick Murpheys an - ich könnte mir vorstellen, dass es so manchen drummer, keyboarder oder auch e-Gittaristen massiv in den Fingern jucken wird auf der Stelle ein life session mit dir an der tinwhistle zu veranstalten :)

Liebe Grüße, Aoife


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