Wo kann ich heraus bekommen, ob Stücke "gemeinfrei"

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Ghostdancer
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Wo kann ich heraus bekommen, ob Stücke "gemeinfrei"

Beitragvon Ghostdancer » Mi Okt 21, 2009 2:20 am

Hallo!

Ich hab da mal eine vielleicht etwas blöde Frage: wo oder wie kann ich heraus bekommen, ob Musikstücke gemeinfrei sind, also nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen?

Ich meine jetzt nicht Aufnahmen von Musikstücken sondern die Noten selbst wie z. B. zu Orò Sé Do, Loch Lamond, I'll tell me ma usw.

Ich finde immer wieder im Netz Noten zu verschiedenen Stücken die mir gefallen. Allerdings sind die Vorlagen oft so mies, daß man sie nur mit sehr bescheidener Qualität ausdrucken kann - daher bin ich dazu übergegangen, diese selber zu setzen und ggf. auch mit den zum Lied gehörenden Texten zu versehen.

Für meinen privaten Gebrauch ist das ja eh kein Thema... aber wie sieht es aus, wenn ich jemanden meine Notensammlung kopieren möchte? Um da nicht ins offene Messer zu laufen würde ich halt gerne schauen, was ich weitergeben darf, sprich was nicht mehr dem Schutz des Urheberrechtes unterliegt.

Gibt es irgendwo eine verlässliche Quelle im Netz zum Thema gemeinfreie Musik?
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Fila
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Beitragvon Fila » Mi Okt 21, 2009 5:52 am

Hallo,

Du kannst davon ausgehen, dass fast alle irischen Stücke gemafrei sind, da es sich um überliefertes Volksgut handelt, an dem keine Urheberrechte bestehen. Wenn die Noten mit einem Copyright vermerkt sind, hat der betreffende Verlag Rechte daran. Diese Noten darfst Du dann nicht einfach verwerten, soweit ich informiert bin.

Solange Du selber kein Mitglied bei der GEMA bist, hast Du natürlich auch keinerlei Ansprüche auf Vergütungen für selbst arrangierte und gesetzte Noten.

Genaue Auskunft kann Dir die GEMA (Gesellschaft für Urheber- und Verwertungsrechte) in München hierzu geben. Ich würde da einfach mal anrufen und mit denen genau die hier gestellten Fragen besprechen.

Liebe Grüße

Fila

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Brigitte
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es gibt einige Datenbanken zu "traditionals"

Beitragvon Brigitte » Mi Okt 21, 2009 11:28 am

Hallo,
ich dachte, ich gebe noch einen Link mit zu Fila's Information. Wie vieles, ist es wohl eine Seite in englischer Sprache. http://tunedb.woodenflute.com/

Im Zweifelsfall dort reinschauen, ob es ein Stueck ist, dass keine copyrights mehr hat oder ein traditional/public domain tune ist. Es gibt auch Musiker, die Ihre gesammelten Werke freigeben, z.B. Packie Manus Byrne faellt mir direkt ein. Scarborough Fair z.b. ist ein Traditional auch wenn man da immer an Paul Simon denkt.... seine Version ist jedoch mit copyrights soweit ich das weiss... ist also manchmal doch wichtig eine kleine Recherche zu machen, damit man niemand unbeabsichtigt auf die Fuesse tritt.

Hoffe das hilft ein wenig.
Gruss
Brigitte
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Ghostdancer
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Beitragvon Ghostdancer » Mi Okt 21, 2009 1:53 pm

Ja, das Thema Musik und Urheberrecht ist nicht ganz ohne, leider.

Die GEMA ist ja für die Wahrnehmung der Leistungsschutzrechte (sprich abkassieren) zuständig. Auch wenn ein Stück z. B. GEMA-frei ist (weil der Komponist nicht Mitglied der GEMA ist), kann eine Komposition trotz allem dem Urheberrecht unterliegen.

Ein Beispiel: ich habe früher mal in einer Rockband Bass gespielt, wir haben auch komplett eigene Stücke komponiert und getextet. Da keine der Beteiligten Mitglied der GEMA war (nicht ganz billig der Spaß, von weiteren Einschränkungen abgesehen), sind unsere damaligen Werke also GEMA-frei. Das bedeutet aber im Umkehrschluß NICHT, daß sie gemeinfrei sind - also nicht dem Urheberrecht unterliegen. Selbiges liegt noch bei uns, das erlischt in Deutschland erst 70 Jahre nach Tod des Urhebers.
International gelten da durchaus abweichende, oft längere Fristen (Stichwort: "Lex Disney").

Die GEMA ist für solche Anfragen nach meiner Erfahrung die falsche Anlaufstelle. Die halben erstmal grundsätzlich alles für GEMA-behaftet bis das Gegenteil bewiesen ist und halten pauschal die Hand auf. Die haben es schon fertig gebracht CD-Produktionen mit Musik unter der Creative Commons Lizenz abzukassieren...

Letztendlich bleibt mir wohl nur die Möglichkeit, mich auf Traditionals zu beschränken. Also alles, was mindestens 100 jahre und älter ist... sicher ist sicher ;) Ausnahmen wären natürlich Werke von Künstlern, die ihre Kompositionen explizit freigeben (als Public Domain oder unter entsprechenden Creative Commons Lizenzen).

Paul Simon bzw. Simon und Garfunkel sind in der Hinsicht auch wieder ein Sonderfall: die haben sich gerne mal an Traditionals bedient, diese leicht abgeändert und die Komposition bzw. das Arrangement dann unters Urheberrecht verfrachtet (z. B. El Condor Pasa).

Copyright ist übrigens wieder eine andere Geschichte, das ist eine US-amerikanische Konstruktion des Urheberrechts. Im Vergleich zum deutschen Urheberrecht gibt es da teilweise gravierende Unterschied. In Deutschland kann der Urheber z. B. nur die Verwertungsrechte abtreten, aber niemals das Urheberrecht. In den USA können sämtliche Rechte an einem Werk allumfassend abgetreten werden.

Trotzdem schon mal danke für den Input, werd mal nen Blick auf die TuneDB werfen, die hilft mir bestimmt schon weiter.

Letztendlich werd ich dann wohl meine Notensammlung wohl nur direkt an ausgewählte Leute weitergeben, die ich kenne. Eine Weitergabe als PDF zum Download werd ich mir dann lieber verkneifen... nicht das irgendein gelangweilter Anwalt der Musikindustrie noch einen "Bettelbrief" an mich aufsetzt ;)
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slarti
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Beitragvon slarti » Mi Okt 21, 2009 10:01 pm

Urheberrechtsrelevant ist normalerweise ein kommerzieller Nutzen des geistigen Eigentums.

Natürlich kannst Du Musik in Noten setzen und benutzen. Evtl. kannst Du sie sogar unentgeldlich weitergeben, aber selbstverständlich NICHT verkaufen (und der, dem Du sie gibst auch nicht).

Mit dem kommerziellen Nutzen muss man allerdings sehr vorsichtig sein. Wenn Du aus Freude an der Musik auf dem Marktplatz (geschützte) Musik spielts OHNE dafür Geld zu nehmen, kann trotzdem ein kommerzieller Nutzen konstruiert werden, daß z.B. der Imbißwagen nebenan mehr verkauft (könnte ja ein Verwandter sein ;-) ).

Deshalb ist Vorsicht in dieser Hinsicht besser als Nachsicht. Es gibt nämlich wirklich viele unterausgelastete Juristen.

Gruss,
Slarti


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